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Das Schönste, was wir erleben können, ist das Geheimnisvolle. (A. Einstein)

Traumatherapie

Mittlerweile wird der Begriff Trauma fast schon inflationär verwendet. Daher scheint es mir wichtig, eine Einordnung zu treffen. In meiner Anschauung folge ich der Theorie des Somatic Experiencing nach Peter Levine.

Als Trauma bezeichnen wir ein überwältigendes, schockierendes Ereignis, welches die Bewältigungs- und damit Anpassungsstrategien eines Menschen überfordert. Auch eine mechanische Verletzung des physischen Körpers bezeichnet man als Trauma.

Doch nicht jedes dieser Ereignisse zieht automatisch eine Traumatisierung nach sich.

In der Theorie des Somatic Experiencing nach Peter Levine bezeichnet das Trauma nicht das Ereignis, sondern folgerichtiger sprechen wir von einer Traumareaktion oder Traumafolgestörung.

Diese Traumareaktion ist eine völlig natürliche Reaktion des Körpers auf einen äußeren Reiz. Da diese äußeren Reize in unserem Leben viel zu schnell oder zu plötzlich auftreten, wird das Nervensystem häufig an der physiologischen, das heißt an der vollständigen Reaktion gehindert. Schutz- und Verteidigungsreaktionen finden keinen natürlichen Abschluss. Eine Menge Energie sammelt sich im Organismus, was wiederum die verschiedensten Symptome oder Verhaltensweisen nach sich ziehen kann. Doch dazu später.

Zunächst möchte ich folgendes betonen:

  • Trauma ist nicht pathologisch!
  • Trauma ist eine unvollendete Reaktion im Nervensystem
  • Sie sind nicht verrückt, falsch oder krank. Lediglich ihr Nervensystem ringt darum, bestimmte Reaktionen zu Ende bringen zu dürfen. Eine Menge Hoffnung steckt in dieser Anschauung, denn es gibt die Möglichkeit zur Veränderung
  • Peter Levine stützt seine Theorie auf Tierbeobachtungen

Dazu ein Beispiel:

Greift eine Katze die Maus an, dann versucht die Maus zunächst zu flüchten. Sie mobilisiert unglaubliche Kräfte. Sie rennt und rennt. Mit etwas Glück erreicht sie ihr Mauseloch schlüpft hinein und der Organismus explizit das Nervensystem kann die Reizreaktion abschließen. Das heißt, der Puls wird noch eine Weile beschleunigt sein, die Muskulatur wird noch eine Weile gespannt sein. Doch irgendwann wird die Maus einen tiefen entlastenden Atemzug tätigen, sich vielleicht noch schütteln, vielleicht zittern. Sie hat überlebt. Irgendwann wird sie wieder aus dem Mauseloch rausschauen und wenn die Katze nicht mehr zu sehen ist, dann geht es den gewohnten Mausealltag weiter.

Und nun ein menschliches Beispiel:

Bei uns Menschen sieht das etwas anders aus. Wir fahren mit Autos. Wir erkennen nicht unbedingt sofort unseren Angreifer. Doch plötzlich quietschen die Reifen, ein Unfall geschieht. Wir sind mittlerweile gut erzogen, steigen möglichst gelassen aus und tauschen die Personalien. Den Rest wickeln die Werkstatt oder die Versicherung ab. Bemerken Sie den Unterschied? Richtiger und physiologischer wäre es, auszusteigen, rumzulaufen oder sich ein wenig in Ruhe hinzusetzen und die physiologischen Reaktionen wie Zittern oder Weinen durchgehen zu lassen. Da es in unserem zivilisierten Alltag häufig nicht ausreichend Gelegenheit gibt, können schon scheinbare Kleinigkeiten traumatische Folgen nach sich ziehen. Im genannten Beispiel könnten zum Beispiel Angst vorm Auto fahren, Nackenschmerzen oder unbegründete Unruhe die Folge sein.
Warum der eine Mensch so und der nächste wieder anders auf ein ähnliches Ereignis reagiert, ist nicht ganz geklärt. Man geht jedoch davon aus, dass das Eingebettet sein in ein stabiles soziales Netz sowie gute Regulationsfähigkeit im Nervensystem sich positiv auswirken

Die Therapie Somatic Experiencing

In der Behandlung nach den Richtlinien des Somatic Experiencing erfolgt sehr langsame, kleinschrittige Arbeit. Selbst mir ist es in meinen eigenen Sitzungen oft so vorgekommen, als hätten wir gar nichts gemacht und dennoch hat sich im Nachhinein immer eine Menge ergeben.

Zunächst geht es um Stabilisation um sich dann in minimalen Schritten dem traumatischen Material zu nähern. Es kann sein, dass monatelang das verursachende Ereignis überhaupt nicht zur Sprache kommt. Umso sanfter, desto besser. Kein Mensch will unentwegt in der düsteren Vergangenheit graben. In meiner Wahrnehmung ist diese Art der Arbeit eine sehr hoffnungsvolle und schonende Art, Lebenspotentiale, Kreativität und Lebenskraft wieder zu entfalten. Die Vergangenheit können wir nicht ungeschehen machen aber das Gehirn kann lernen, die Dinge als Station im Lebenslauf anzuerkennen.

Natürlich erfordert diese Arbeit Geduld, Hinwendung und auch die Kraft mit den aufkommenden Gefühlen wie zum Beispiel Trauer und Wut umgehen zu können. Das Nervensystem braucht in den meisten Fällen Wochen bis Monate um stabile Veränderungen zu kreieren.

Die Intervalle für die Behandlungen ergeben sich bei jeder Person. Einen strengen zeitlichen Fahrplan gibt es nicht. Ideal sind regelmäßige Termine alle 2 – 4 Wochen.

 

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